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Günter Borr tritt die Reitz-Nachfolge an
Der Fußball-Oberligist SG Betzdorf ermöglicht einem alten Bekannten eine dritte Schaffensphase "Auf dem Bühl"
Beim Dreikönigstreffen der SG 06 Betzdorf sind gestern die Weichen für die nächsten eineinhalb Jahre gestellt worden.
BUZ: Dennis Reder (v.l./Co-Trainer), Günter Borr, Uli Kempf (Abteilungsleiter), Hermann-Josef Wagner (SG-Vorsitzender) und Thomas Blum (Spielführer) bestätigten gestern Abend per Handschlag, was bereits vertraglich vereinbart wurde: Borr wird vorerst bis Juni 2013 Cheftrainer des Oberligisten.
BUZ: Dennis Reder (v.l./Co-Trainer), Günter Borr, Uli Kempf (Abteilungsleiter), Hermann-Josef Wagner (SG-Vorsitzender) und Thomas Blum (Spielführer) bestätigten gestern Abend per Handschlag, was bereits vertraglich vereinbart wurde: Borr wird vorerst bis Juni 2013 Cheftrainer des Oberligisten. Foto: hwl
hwl Zweieinhalb Wochen nach dem überraschenden Ausstieg von Trainer Walter Reitz hat der Fußball-Oberligist SG Betzdorf gestern Abend den Nachfolger präsentiert: Günter Borr (59). Der Mudersbacher Lehrer und Fußball-Lehrer übernimmt damit zum dritten Mal seit 1982, damals als 30-jähriger Spielertrainer zum Abschluss seiner Karriere mit Stationen bei Sportfreunde Siegen und beim VfB Wissen, das Traineramt "Auf dem Bühl" - vorerst bis zum 30. Juni 2013. Besonders dank seiner Erfolge in seiner zweiten Betzdorfer "Schaffensphase" von 1989 bis 1996, in der ihm u.a. 1994 der Aufstieg in die Oberliga glückte, war er von Beginn an der Wunschkandidat der Betzdorfer unter den insgesamt vier Bewerbern um die Reitz-Nachfolge. SG-Abteilungsleiter Uli Kempf, ehemaliger Mitspieler von Borr Mitte der 80er-Jahre: "Ich hatte mit die Trainersuche wesentlich schwieriger vorgestellt. Das verlief alles recht reibungslos, offen und transparent. Ich bin mir aus eigener Erfahrung sicher, dass wir den Richtigen, einen hoch qualifizierten Trainer gefunden haben, der die bisherige gute Arbeit von Walter Reitz und unseres Trainerstabes mit Dennis Reder, Jörg Mockenhaupt und unserer Jugendtrainer eins zu eins umsetzen wird. Denn die Trainer, die sportliche Leitung und der Vorstand werden den eingeschlagenen Weg, auf die eigene Jugend zu setzen, weitergehen."
Dass es dennoch mehr als zwei Wochen dauerte, bis den Spekulationen gestern durch eine öffentliche Präsentation im gut gefüllten Vereinsheim (Borr: "Bei meinen Anfängen in Betzdorf hatten wir in der A-Klasse weniger Zuschauer als bei der heutigen Pressekonferenz.") ein Ende gesetzt wurde, lag nicht zuletzt an Borr, der erst vorgestern aus Dubai aus dem Urlaub zurückgekehrt ist, vorab aber bereits Interesse bekundet hatte, seine dritte Schaffensphase in Betzdorf unter völlig anderen Voraussetzungen als in den 90er-Jahren anzugehen, als ihm Betzdorf mit einem potenten Sponsor fast jeden Wunsch von den Augen ablesen konnte. Borr: "Damals war das damalige Konzept das passende - sonst wäre Betzdorf möglicherweise nie in die Oberliga gekommen. Heute ist die Situation eine andere. Das Konzept, auf die eigene Jugend zu setzen, ist absolut richtig."
Den Kontakt zur SG hat Borr trotz fünf weiterer Trainer-Stationen (VfB Gießen, EGC Wirges, VfL Hamm, Bonner SC, TuS Erndtebrück/bis April 2009) und trotz seiner Scouting-Arbeit für Mainz 05, den VfB Stuttgart und den 1. FC Kaiserslautern nie abreißen lassen. Borr: "Einige Heimspiele habe ich mir schon angesehen. Zum einen, weil die Oberliga immer attraktiv ist. Zum anderen, weil mir die Begeisterung und Spielfreude der jungen Mannschaft imponiert. Ich weiß, was auf mich zukommt."
Will heißen: Er weiß auch um die Probleme, die Walter Reitz in der Hinrunde über Gebühr zusetzten, die mit dem Jahres- bzw. Trainerwechsel aber keineswegs verschwunden sind. Denn nach derzeitigem Stand wird Borr auch die personellen Sorgen von Reitz eins zu eins übernehmen können, wenngleich der Vorstand das Problem erkannt hat. Uli Kempf: "Wir wissen, dass es eng ist. Fabian Lohmar wird uns in der Winterpause verlassen, Benjamin Hofacker aus Rothemühle kommt dazu. Wir haben aber ja noch Zeit bis zum 31. Januar, um zu schauen, was möglich ist." Welche Erwartungen verbindet die gestern nahezu vollständig präsente Mannschaft mit dem Trainerwechsel? Kapitän Thomas Blum: "Der Rücktritt von Walter Reitz war für uns alle ein Schock. Jetzt aber hat das Gerede über einen Nachfolger endlich ein Ende, so dass wir nach vorn schauen sollten. Grundsätzlich ist ein Trainerwechsel mitten in der Saison immer schwierig. Da wir aber noch nicht gesichert sind, sollten wir jetzt ganz schnell zueinander finden und in die Spur kommen - auch wenn der Kader zu klein ist für den Fall, dass etwas passiert und wichtige Spieler ausfallen. Und in der durchwachsenen Hinrunde ist viel passiert."
Trainingsbeginn ist am nächsten Sonntag, bis dahin wird Borr seinem bewährten Trainerstab (Reder: "Für mich ist es schon etwas Besonderes, unter einem Trainer wie Günter Borr zu arbeiten.") auf den Zahn fühlen, um auszuloten, ob das Vorstellungsgespräch mit Klaus Lindlein und Uli Kempf nicht doch zu kurz war, um alle Probleme der SG im 106. Jahr des Vereinsbestehens anzusprechen.
SG Betzdorf: Aus drei mach’ eins
Trainersuche läuft auf Hochtouren / A-Jugend-Coach Hähner hört auf / Hofacker kommt
ubau · Ulrich Kempf, der Sportliche Leiter des Fußball-Oberligisten SG 06
Betzdorf, ist auch „zwischen den Tagen“ im Dauereinsatz. Ein Gespräch jagt das nächste – schließlich soll ein Nachfolger für den zurückgetretenen Trainer Walter Reitz möglichst zeitnah präsentiert werden. Der hatte kurz vor dem Weihnachtsfest überraschend das Handtuch geworfen – und die Verantwortlichen der SG 06 Betzdorf kurzzeitig in einen Schockzustand versetzt.
„Natürlich sind wir nach wie vor enttäuscht darüber, dass er uns im Stich gelassen hat. Auf der anderen Seite soll man Reisende nicht aufhalten“, sagt Kempf, der die „Trainerfindungskommission“ der Siegstädter in den letzten Tagen mit Informationen und Namen potenzieller Nachfolgekandidaten „fütterte“. Erstes Ergebnis: „Die interne Lösung ist gekippt worden. Wir setzen auf eine externe Lösung“, verriet Kempf gestern der SZ. Im „Lostopf“ seien noch drei Kandidaten, die ihre Bereitschaft erklärt haben, „unter den Bedingungen, die bei uns Betzdorf vorhanden sind“ (Kempf) die Trainerposition beim Tabellen-13. der Fußball-Oberliga Südwest zu übernehmen.
Auf SZ-Nachfrage gab sich Kempf aber sehr zugeknöpft: „Ich kommentiere keine Namen, die bei uns ins Gespräch gebracht werden. Das habe ich den Kandidaten versprochen, und daran halte ich mich auch.“ Im Lauf der nächsten Woche wollen die Verantwortlichen dann eine Entscheidung treffen. Will heißen: Aus drei mach’ eins. Der neue Mann auf der Kommandobrücke soll dann am kommenden Freitag (6. Januar) im Rahmen einer Pressekonferenz offiziell vorgestellt werden.
Wenn Kempf und Co. die große Baustelle „abgearbeitet“ haben, können sie sich gleich der nächsten zuwenden. Denn Andreas Hähner, Trainer der in der Regionalliga Südwest spielenden A-Jugend der SG 06 Betzdorf, wird am Saisonende sein Amt nach dann fünfjähriger Tätigkeit zur Verfügung stellen. „Im Laufe der Hinrunde haben sich eine Reihe von Gründen angesammelt. Wir waren die Leidtragenden für die Unruhe und die Personalprobleme im Seniorenbereich. Die Doppelbelastung einiger Spieler ging zuletzt sehr zu unseren Lasten“, erklärte Hähner, dessen Team nach furiosem Saisonstart auf den 9. Tabellenplatz abrutschte. Zwischen den Zeilen ließ der B-Lizenz-Inhaber auch durchblicken, dass die Kommunikation zwischen dem Cheftrainer der „Ersten“ und ihm eher suboptimal gewesen sei. Eine neue Aufgabe hat Hähner, der die A-Junioren der SG 06 in den beiden vergangenen Spielzeiten auf die Plätze 5 und 4 (!) führte und seit sieben Jahren auch als DFB-Stützpunkt-Trainer arbeitet, nach eigenem Bekunden noch nicht. „Das lasse ich alles auf mich zukommen“, sagte der 38-Jährige, dessen ganze Konzentration nun darauf gerichtet ist, mit der Betzdorfer A-Jugend den Klassenerhalt zu sichern. Denn, so Hähner: „Wir haben hier einiges aufgebaut und die A-Jugend in der Regionalliga Südwest etabliert. Zudem haben einige Spieler den Sprung in den Oberliga-Kader geschafft. Diese Arbeit möchte ich zu einem guten Ende führen. Denn es war insgesamt eine schöne Zeit bei der SG 06 Betzdorf.“
Darauf hofft auch Benjamin Hofacker,der vom Landesligisten SV Rothemühle „Auf den Bühl“ wechselt. Der 20-Jährige aus Wildbergerhütte gilt als Defensiv-Allrounder und kann sowohl in der Verteidigung als auch auf der „Sechser“-Position eingesetzt werden. In der A-Jugend spielte er beim SV Bergisch Gladbach.
(Quelle: Siegener Zeitung)
Oberliga Südwest
SG Betzdorf - SV Gonsenheim 3:1 (1:0)
Ruhepole Neuser und Hammel
BETZDORF SG beendet die Negativ-Serie mit einem Sieg über Gonsenheim / Youngster trifft zweimal
Glänzen und gewinnen, das passte wieder einmal zusammen.
hwl Vier Wochen nach dem Heimsieg über den Spitzenreiter FC Homburg hat der Fußball-Oberligist SG Betzdorf bei seinem letzten Auftritt 2011 "Auf dem Bühl" erneut gegen ein Top-Team eine Duftmarke gesetzt. Die Mannschaft von Trainer Walter Reitz beendete eine Durststrecke von drei Niederlagen in Folge mit einem 3:1 (1:0) über den Tabellenzweiten SV Gonsenheim. "In der ersten Hälfte haben wir spielerisch geglänzt, in der zweiten gefightet. Der Sieg ist verdient, die harte Spielvorbereitung hat sich ausgezahlt", kommentierte Reitz den Erfolg über die spielstarken Gonsenheimer, denen nicht nur die Unwägbarkeiten des schwer bespielbaren Rasens, sondern auch die Umstellungen von Reitz über Gebühr zusetzten.
Denn mit dem Rollentausch in der anfälligen Viererkette, in der Kevin Wagner auf rechts rückte, um dem angeschlagenen Sascha Mockenhaupt den zentralen Part gegen Torjäger Rufat Dadachev zu überlassen, und mit Sven Baldus in der Startelf (statt Alexander Rosin) waren taktisch die Weichen gestellt, um den SV von Beginn an unter Druck zu setzen. Die risikobehaftete Rechnung ging allerdings nur auf, weil drei gravierende Patzer der SG-Abwehr in der ersten Hälfte folgenlos blieben. Der Grund: Wenn es gefährlich wurde, klärte Torwart Sven Neuser, als sei es das Selbstverständlichste, im Vier-Augen-Duell mit Dadachev (Kopfball aus vier Metern/23.) oder im Sechs-Augen-Duell mit Dadachev/Szymanek (Fußabwehr/45.) die Ruhe und die Oberhand zu behalten. Ebenso selbstverständlich schien lange Zeit in Erinnerung an die vergangenen Auftritte die fehlende Entschlossenheit der SG-Akteure vor des Gegners Tor zu sein. Bei einem halben Dutzend bester Chancen versäumten es Blum, Boll, Hammel, Land oder Böhmer, sich für ihre aufwändige und spielerisch gute Vorstellung zu belohnen. Reitz: "Manchmal hatte ich das Gefühl: Wir wollen zu viel. Das hatte zu viel Unruhe im Abschluss zur Folge."
Das 1:0 zum Ende einer ersten Hälfte (44.), in der beide Mannschaften trotz der widrigen Bedingungen auch spielerisch gute Unterhaltung boten, weil sie von Beginn an den offenen Schlagabtausch suchten und um ein hohes Tempo bemüht waren, gehörte indes zur Kategorie Zufall. Wagner klärte einen Querschläger von Horz, und der landete direkt vor Hammel, so dass der Youngster im Laufduell und im Abschluss zeigen konnte, dass Ruhe im Sturm keine Frage des Alters ist. Trotz der Pause war die von der Führung erhoffte beruhigende Wirkung aber schon zwei Minuten nach Wiederanpfiff verflogen. Der Grund: Ertan Ekiz tat es Hammel gleich (47.), als er einen Patzer der aufrückenden SG-Abwehr zum 1:1 nutzte, statt auf die zu hören, die lautstark gefordert hatten, den Ball ins Aus zu spielen, weil Mockenhaupt verletzt am Boden lag. Reitz nahm es zumindest nach 90 Minuten gelassen hin: "Fairplay ist ein großer Begriff. Wir haben die richtige Antwort gegeben."
Die Antwort sah so aus: Nach einer Phase der Konsolidierung ("Der Schock saß tief.") suchte Betzdorf verstärkt die Nähe zum Gegner, kam besser in die Zweikämpfe und damit auch wieder besser ins Spiel. Dass sich diese Antwort letztlich als richtig erwies, lag nach langer Zeit wieder einmal an der Extra-Klasse der Baldus-Zwillinge, von Böhmer und Hammel, die trotz des kräftezehrenden Spiels im Vorwärtsgang verharrten. So hatte Reitz nur noch eine kurze Phase böser Vorahnungen zu überstehen, nachdem Böhmer, von Hammel freigeblockt, aus der Drehung zum 2:1 getroffen hatte (60.). Denn ab der 61. Minute spielte die SG in Überzahl (Gelb-Rot gegen Jan Itjeshorst), was dem Reitz-Team in der Vergangenheit wiederholt gar nicht gut bekommen war. Am Samstag war das anders, vermutlich auch, weil einigen zum Ende hin einfach nur die Kraft fehlte, um in Überzahl noch Unordnung ins eigene taktische Gefüge zu bringen. So blieb es schließlich Youngster Hammel vorbehalten, mit dem 3:1 (70.) das letzte Heimspiel 2011 zu entscheiden, nachdem ihm Alexander Baldus uneigennützig den Ball zum Flachschuss überlassen hatte. Reitz: "Wir haben nach der Pause gegen einen klasse Gegner die meisten Zweikämpfe gewonnen - dann gewinnt man auch das Spiel."
Aufstellung Betzdorf: Neuser – Wagner (88. Rosin), Land, Mockenhaupt, Horz - Blum, Boll (90.+2 Steffen Kempf) - Sven Baldus, Böhmer (72. Böhmer), Alexander Baldus - Hammel Tore: 1:0 Hammel (44.), 1:1 Ekiz (47.), 2:1 Böhmer (60.), 3:1 Hammel (70.) Vorkommnis: Gelb-Rot gegen Itjeshorst (Gonsenheim) wegen wiederholten Foulspiels (61.) Zuschauer: 149.
Oberliga Südwest
SG Betzdorf - FC Arminia Ludwigshafen 1:3 (0:0)
Abenteuerlust fördert den Frust
BETZDORF SG 06 verliert zum Abschluss der Hinrunde gegen den Aufsteiger Ludwigshafen
Die Null muss stehen! Die Rechnung ging zum 23. Mal nicht auf.
hwl Walter Reitz, der Trainer des Fußball-Oberligisten SG Betzdorf, pflegt auch kurz vorm Gang in die Winterpause das offene Wort. "Mit einem solchen Defensiv-Verhalten kann man in der Oberliga nicht bestehen", kommentierte er am Samstag die 1:3 (0:0)-Heimniederlage gegen den Neuling FC Arminia Ludwigshafen, mit der sein Team zum dritten Mal in Folge verlor und es dabei zum 23. Mal (!) seit dem 30. April 2011 (2:0 in Mechtersheim) in einem Pflichtspiel verpasste, ohne ein Gegentor zu bleiben.
Dabei sah es lange Zeit keineswegs danach aus, dass sein Team zum dritten Mal in der Hinrunde den Rasen "Auf dem Bühl" als Verlierer verlassen würde. Denn trotz der gewohnten personellen Probleme begann die SG druckvoll und engagiert. Der Beleg: Schon bis zur 6. Minute musste FC-Keeper Peter Klug zweimal ganz brenzlige Situationen bei Schüssen von Alexander Baldus und Sascha Mockenhaupt mit dem Fuß klären, nachdem es bis dahin schon fünf Eckbälle für Betzdorf gegeben hatte und sein FC noch nicht einmal die Mittellinie überquert hatte.
Aber: Der FC verstand es nach dieser turbulenten und schnellen Auftakt-Phase der SG dank der Güte von Spielmacher Jens Leithmann, Ruhe in das hektische Spiel zu bringen, besser in Zweikämpfe zu kommen und damit den Betzdorfer Vorwärtsdrang zu kanalisieren. Die Folge: Das Offensiv-Spiel der SG geriet mehr und mehr zu einem recht durchsichtigen Unterfangen, weil Alexander Rosin in vorderster Linie einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte und sich die kompakte FC-Abwehr damit auf Philipp Böhmer und Daniel Hammel konzentrieren konnte. Reitz haderte: "In unserer starken Phase haben wir es versäumt, ein Tor vorzulegen." Eine solche Sturm-und-Drang- Phase der SG gab es zwar noch einmal kurz vor der Pause mit Chancen für Daniel Hammel und Philipp Böhmer (Abseitstor), zu diesem Zeitpunkt hatte aber auch der Neuling schon Geschmack daran gefunden, die bei hohem Tempo erneut sehr anfällige Viererkette der SG wiederholt vor Probleme zu stellen, so dass sich der "Held von Zweibrücken", Sven-Uwe Neuser, frühzeitig im Duell mit FC-Torjäger Michael Petry und Tim Amberger beweisen konnte.
Zu groß wurde dessen Beweis-Last kurz nach der Pause, als sich Amberger robust gegen Mockenhaupt behauptete und Neuser mit einem Flachschuss keine Abwehrchance ließ (51.). Reitz tobte ("Lasst doch dieses körperlose Gekicke sein!"), fand aber (zu) wenig Gehör. Damit lag das 2:0 in der Luft, als Philipp Böhmer - zum ersten und letzten Mal während der 90 Minuten - seine Klasse bewies, die aufgerückte FC-Abwehr überlief, Pietro Berrafato, Steffen Burkhard und Torwart Klug wie dumme Jungen zuschauen ließ und zum 1:1 ausglich (60.). Mit der Gewissheit, mit der Auswechslung von Rosin an diesem Tag sicher nichts verkehrt machen zu können, beorderte Reitz fortan Thomas Blum in die Offensive, um seiner Elf klarzumachen: Wir wollen und wir brauchen mehr als diesen einen Punkt! Aber: Zumindest seine Defensiv-Akteure verstanden des Trainers Zeichen zu mehr Risikobereitschaft völlig falsch. Reitz: "Gerade weil wir wussten, dass Ludwigshafen spielen und fighten kann, muss man in einem solchen Spiel mit einem Punkt vom Platz gehen. Dass uns das trotz unseres Ausgleichs nicht gelungen ist, liegt an unserem abenteuerlichen Abwehrverhalten."
Die Abenteuer-Lust bzw. Schläfrigkeit der SG-Abwehrrecken bestraften in den Schlussminuten Berrafato und Petry. Berrafato (Reitz: "Er hatte den weitesten Weg von allen.") kam nach einem Eckball im Torraum, unbedrängt von einem SG-Feldspieler und/oder Torwart Neuser, zum Abschluss (83.), während das Jubiläumstor von Ex-Profi Petry (10. Saisontor) in gebührendem Abstand zu allen SG-Akteuren zumindest aus dem Spiel heraus entstand (87.). Reitz: "In der Oberliga werden Spiele vor den Toren entschieden, nicht durch die Spielerei im Mittelfeld. Im Abschluss waren wir heute nicht konsequent genug, und von einem konsequenten Defensiv-Verhalten und Zweikampf-Verhalten konnte keine Rede sein. Solange wir unsere Defensive nicht stabilisieren, wird es in jedem Spiel für uns schwer." Zwei Versuche im Kampf um die Null bleiben bis zur Winterpause: im Heimspiel gegen Gonsenheim und in Neunkirchen.
Aufstellung Betzdorf: Neuser – Mockenhaupt, Land, Wagner, Horz - Blum, Boll (81. Sven Baldus) - Hammel, Böhmer, Alexander Baldus (75. Lohmar) - Rosin (60. Houck) Tore: 0:1 Amberger (51.), 1:1 Böhmer (60.), 1:2 Berrafato (83.), 1:3 Petry (87.) Zuschauer: 223.
SVN Zweibrücken - SG Betzdorf 2:0 (1:0)
Torwart Neuser verhindert Schlimmeres , ZWEIBRÜCKEN SG 06 Betzdorf ist beim SVN ohne Siegchance, Thomas Blum verschießt Handelfmeter
Das gab es noch nie. Betzdorf bleibt in der Hinrunde ohne Auswärtssieg.
hwl Der Fußball-Oberligist SG Betzdorf hat zurzeit nicht das Personal und Potenzial, um gegen sein Image als beliebtester Gast anzukämpfen bzw. um seine Auswärtsbilanz aufzupolieren. Am Samstag verlor das Team von Trainer Walter Reitz mit 0:2 (0:1) beim SVN Zweibrücken, kassierte seine sechste Auswärtsniederlage im achten Anlauf und bleibt damit in der Hinrunde ohne Sieg in der Fremde. Reitz: „Um in Zweibrücken etwas zu holen, muss du zum einen eine erstklassige Besetzung haben und zum zweiten einen Tag erwischen, an dem alles stimmt. Beides war am Samstag nicht der Fall, so dass wir verdientermaßen verloren haben.“
Will heißen: Das Unheil nahm bereits am Freitag seinen Lauf, als innerhalb von 24 Stunden Mario Weitershagen (Verdacht auf Leistenbruch), Himaj Kreshnik und Kevin Wagner (Grippe) absagten und damit die zuletzt eher übersichtliche Ausfallliste (Daniel Hammel/Sperre, Waldemar Schleich, Florian Kempf/beide verletzt) wieder derart füllten, dass Reitz sich kurzfristig noch in der Reserve (Steffen Kempf) und bei den A-Junioren (Enes Cimen) bedienen musste, um drei Feldspieler auf der Bank zu haben.
Zudem traf die SG am Samstag auf einen SVN, der solche Probleme derzeit nicht hat (Trainer Peter Rubeck: „Ich bin froh, personell derzeit aus dem Vollen schöpfen zu können.“), der sich den Luxus erlaubte, fünf gestandene Oberliga-Spieler auf der Bank zu lassen, und der von Beginn an deutlich machte: Heute bleiben die Punkte hier!
Die Folge war, dass sich von der 2. Minute an ein Privatduell zwischen Guillaume Paul und SG-Torwart Sven Neuser entwickelte, das der Betzdorfer klar für sich entschied, indem er mehrmals im Vier-Augen-Duell die Oberhand behielt. Reitz: „Sven war heute mit Sicherheit unser herausragender Spieler. Schon in der Anfangsphase hat er uns im Alleingang und mit tollen Reflexen im Spiel gehalten.“
Immerhin schaffte es Neuser damit, die durch die erneute Verletzung von Weitershagen („Sein Ausfall ist für uns besonders bitter, weil er unsere Defensive zuletzt maßgeblich stabilisiert hatte.“) neu formierte Viererkette 33 Minuten lang vom ersten Zu-Null der Saison träumen zu lassen. Dann war es Martin Gries, der die beiden Längsten der SG, Land und Mockenhaupt, nach einem Freistoß übersprang und per Kopf das überfällige 1:0 erzielte.
Von Betzdorf war im Spiel nach vorn bis dahin nichts und auch in der Folge wenig zu sehen. Reitz: „Das war nicht der Tag unserer Offensive.“ Ein Grund dafür war, dass auch die Offensive-Kräfte von der ersten Minute an überwiegend damit beschäftigt waren, die eigene Defensive zu entlasten. Zumindest diese Rechnung ging einigermaßen auf. Die Doppel-6 mit Thomas Blum und Michael Boll verdiente sich ein Sonderlob des Trainers, und das Lob für die Baldus-Zwillinge („Sie haben sich im Mittelfeld aufgerieben.“) fiel am Samstag dergestalt aus, dass sie frühzeitig vom Platz durften. Reitz: „Mit Sven war nur ein Kurzeinsatz abgesprochen. Das war heute weit mehr, als wir ihm zumuten wollten.“ Und Alexander? „Er stand kurz vor einer Roten Karte - da mussten wir ihn schützen.“
Der Beschützer-Instinkt des überragenden Neuser versagte nur noch einmal in der einseitigen Partie. In der 54. Minute ließ ihm Kevin Feiersinger vom Elfmeterpunkt aus keine Abwehrchance, nachdem Youngster Fabian Lohmar zu energisch gegen Paul eingestiegen war. Fortan rettete Neuser, was zu retten war, womit in der Schlussphase sogar noch einmal ein Hauch von Spannung aufkam, als Thomas Blum zum Handelfmeter gegen Thorsten Hodel antreten durfte (88.). Da Blum den Ball an den Pfosten schoss, blieb Hodel selbst in diesem Duell erspart, überhaupt das erste Mal in den 90 Minuten ernsthaft ins Geschehen eingreifen zu müssen. Reitz nahm es gelassen hin: „Mehr, als die Mannschaft heute geleistet hat, kann sie nicht leisten. Zweibrücken war stark, hat das Spiel dominiert und den Sieg verdient.“
Aufstellung Betzdorf:
Neuser – Lohmar (60. Houck), Mockenhaupt, Land, Horz - Boll, Blum - Sven Baldus (67. Steffen Kempf), Böhmer, Alexander Baldus (86. Enes Cimen) - Rosin. Tore: 1:0 Gries (33.), 2:0 Feiersinger (53./Foulelfmeter) Vorkommnis: Blum (Betzdorf) scheitert mit Handelfmeter am Pfosten (88.) Zuschauer: 120.
Quelle: hwl
Betzdorf fehlt die Ruhe im Sturm
BETZDORF SG 06 verliert zum zweiten Mal in dieser Saison ein Heimspiel / Waldalgesheim nutzt Geschenk
Nach Klapperts Patzer klappte das Umlegen des Hebels nicht mehr.
hwl Am Samstag dauerte zu lange, bis die Spieler und Fans des Fußball-Oberligisten SG Betzdorf im Duell mit dem SV Waldalgesheim realisierten, dass auch bei der bis dato heimstärksten Mannschaft der Liga nicht alle Automatismen auf Anhieb abrufbar sind. Als in der hektischen Schlussphase sowohl die Fans als auch Kapitän Thomas Blum lautstark ans Husarenstück der Vorwoche gegen Homburg erinnerten ("Homburg haben wir doch auch noch gepackt."), war diesmal keiner der Akteure (mehr) in der Lage, den Hebel umzulegen.
Die Folge: Betzdorf blieb beim 0:1 (0:0) zum ersten Mal in dieser Saison in einem Heimspiel ohne Tor, verlor zum zweiten Mal in dieser Saison "Auf dem Bühl", hatte zudem noch eine Rote Karte gegen Hammel zu verdauen und musste sich am Ende bei Torwart Philipp Klappert, dessen katastrophaler Schnitzer die Partie entschied, bedanken, dass die Niederlage nicht deutlicher ausfiel.
Kuriose Spiele sind für die Fans der SG Betzdorf in dieser Saison das tägliche Brot. Aber: Bis dato war es - bis auf die Partie gegen Salmrohr (1:3) und Trier 2. (2:2) - das Team von Walter Reitz, das am Ende jubeln konnte. Nicht so am Samstag gegen den SV Waldalgesheim, dessen betont zurückhaltende Spielweise sich am Ende auszahlte, weil Betzdorf in seiner besten Phase Mitte der ersten Hälfte aus den wenigen guten Chancen gar nichts machte. Reitz: "In der ersten Hälfte haben wir unsere Chancen nicht konsequent genutzt, da fehlte die Ruhe." Dass es letztlich bei wenigen Chancen blieb, lag diesmal an den beiden Außen im Mittelfeld: Weder der vorgezogene Sascha Mockenhaupt noch Alexander Baldus konnten im Spiel nach vorn Akzente setzen, so dass sich das Tagwerk von Philipp Böhmer und Alexander Rosin auf harmlose Einzelaktionen beschränkte. Da sich das Geschehen überwiegend im Dunstkreis der Mittellinie abspielte, blieben selbst Standardsituationen die Ausnahme. Allerdings auf beiden Seiten. Will heißen: Die gegenüber der Woche zunächst nicht umgestellte Viererkette verlebte trotz sporadischer Patzer einen ruhigen Nachmittag, so dass es mit Sicherheit keine Stresssymptome waren, die dafür sorgten, dass Torwart Sven Neuser zur Pause mit Kreislaufproblemen ausgewechselt werden musste. Dass die erste Ballberührung von Philipp Klappert die Partie entschied (58.), war damit schon als 'tragisch' einzuordnen, weil er den Ball nach einem 40-m-Freistoß von Patrick Walther ohne Freund- und Feindberührung ins eigene Netz bugsierte.
Was folgte war ein ideen- und kopfloses Anrennen der SG, einhergehend mit einem harmlosen Konterspiel des SV. Trotzdem wurde es noch hektisch. Der Grund: Nachdem Schiedsrichter Timo Klein schon in der ersten Hälfte den Frustpegel der SG mit Abseitsentscheidungen in die Höhe getrieben hatte, geriet er nun durch den flotten Griff zur Gelben Karte, bedingt durch ein wesentlich intensiveres Zweikampf-Verhalten beider Teams, mehr und mehr in die Bredouille, wofür letztlich der agile Daniel Hammel und der eingewechselte Andreas Ludwig büßen mussten, als ihnen Klein den Roten Karton vor die Nase hielt, nachdem Hammel gefoult (Reitz: "Das war viel zu hart.") bzw. Ludwig sich mit Böhmer angelegt hatte. SV-Trainer André Weingärtner: "Sowas passiert, wenn der Schiedsrichter unter Druck gerät, durch Provokationen auf dem Feld und von außen."
In der Tat war der Druck (von) außen am Ende größer als vorm SV-Strafraum, womit es schließlich beim schmeichelhaften 1:0 blieb. Weingärtner: "Es war ein an Torchancen armes Spiel und nach der Pause ein ziemliches Kampfspiel, das wir nicht unverdient gewonnen haben." Was hatte die SG diesmal falsch gemacht? Reitz: "Nicht viel. Wir haben unseren Teil zu einem sehr intensiven und von der Athletik geprägten, guten Oberliga-Spiel beigetragen. Nur im Abschluss waren wir schlichtweg zu hektisch."
SG 06 und 500 Fans zeigen FKP die Grenzen auf!
Es war ein Spiel, von dem man am Ende der Saison behaupten könnte, es sei der Wendepunkt gewesen. Was knapp 500 SG-Fans an diesem Abend „Auf dem Bühl“ erlebt haben, war Lokalsport in Perfektion!
1:1 hieß es am Ende zwischen der SG 06 und dem Meisterschaftsaspiranten FK Pirmasens. Glücklich – aus Pirmasenser Sicht versteht sich!
Dabei schienen die Fronten zu Beginn des Spiels klar geklärt zu sein: Auf der einen Seite eine aus den letzten Spielen verunsicherte SG 06, auf der anderen der mit fertigen Profis bespickte Pirmasenser Kader, der dadurch letztlich zum Aufstieg in die Regionalliga verdammt ist. Und zu allem Überfluss lag man zunächst noch 0:1 zurück.
Dass am Ende alles anders kam, hat zwei Gründe.
Zum einen war da eine aufopferungsvoll kämpfende SG 06, die heute endlich wieder bewiesen hat, zu was sie fähig ist: Leidenschaft und vor allem ein bärenstarker Zusammenhalt waren das Rezept gegen scheinbar übermächtige Gäste.
Zum anderen waren da knapp 500 Betzdorfer Fans „Auf dem Bühl“, die vor allem in schwierigen Situationen ihrer Mannschaft den Rücken freihielten und sie nach vorne trieben. Mannschaft und Fans waren eine Einheit mit einem Ziel. An genau dieser Symbiose ist der Gegner heute gescheitert. Er ist gescheitert an dem, was den Bühl in seiner Geschichte letztlich immer ausgezeichnet hat: Leidenschaft und Identifikation für den Fußball in der und für die Region.
Fussball Oberliga Südwest
1. FC Saarbrücken 2. - SG Betzdorf 2:2 (0:1)
Mehr als eine Stunde stand die Null
Fahrten ins Saarland sind zwar weit, aber nicht unergiebig.
hwl Der Fußball-Oberligist SG Betzdorf, die schwächste Auswärtsmannschaft der Liga, hat gestern beim 1. FC Saarbrücken 2. sein Punktekonto in der Fremde verdoppelt. Wie schon im August in Völklingen (1:1) gab es auch bei den Amateuren des 1. FCS im benachbarten Saarbrücken ein Remis (2:2). SG-Trainer Walter Reitz sah es mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Wenn man eine Stunde führt, dann fällt es schwer, mit einem Punkt zufrieden zu sein. Wenn man aber wie wir in der Schlussphase dann doch wieder zurückliegt, muss man auch mit dem Ausgleich zufrieden sein.“
In der Tat sah es mehr als eine Stunde lang danach aus, als könne die SG im zweiten Spiel der Nach-Vorschneider-Ära trotz des Fehlens von Florian Kempf (Knieverletzung) und des frühen Ausfalls von Kevin Wagner (Fußprellung) ihre unsäglich schwache Auswärtsbilanz mit dem ersten Dreier der Saison vervierfachen. Denn schon in der 9. Minute hatte Philipp Böhmer aus der Distanz zum 1:0 getroffen und damit auch für die nötige Sicherheit gesorgt, um das erste Zu-Null-Spiel mit Nachdruck anzugehen. Aber: Einmal mehr gelang es nicht, „die Nachlässigkeiten über 90 Minuten abzustellen“ (Reitz). Immerhin dauerte es gestern schon fast 70 Minuten, bis Johannes Wurtz, der am Samstag im Drittliga-Topspiel in Sandhausen schon fast 30 Minuten im Einsatz gewesen war, unbedrängt zum Schuss kam, unhaltbar traf und damit die Einschätzung von Walter Reitz bestätigte, dass Saarbrücken nicht nur eine von Natur aus spielstarke Mannschaft hat, sondern bei Bedarf auch noch Verstärkung von oben bekommt. Reitz: „Diesmal hatten sie immerhin vier Leute aus dem Drittliga-Kader dabei, so dass sie auf Dauer kaum da unten bleiben werden.“ Zu kippen drohte das Spiel, als Philipp Hoffmann aus kurzer Distanz das 2:1 glückte (78.).
Obwohl die SG die Schlussphase in Überzahl spielen durfte, weil nur eine Minute später Alexander Otto, ein weiterer Spieler aus dem Profi-Kader von Jürgen Luginger, das Feld mit Gelb-Rot geräumt hatte, reichte es bei der SG nur noch zu Fußball mit der Brechstange. Der allerdings erwies sich nach zum Teil prima herausgespielten Chancen für Böhmer (32./Abseits) und Daniel Hammel (35.) als Volltreffer im wahren Sinn: Denn mit einem 25-m-Volleyschuss sorgte Sascha Mockenhaupt für den redlich verdienten Punkt, dem Alexander Rosin in der Nachspielzeit sogar die Krone hätte aufsetzen können, als er eine Blum-Flanke um Zentimeter verpasste. Nicht weniger wichtig als der eine Zähler war indes die Erkenntnis, dass wieder mit Michael Boll und Mario Weitershagen zu rechnen ist. Reitz: „Auch wenn sie noch nicht 100-prozentig fit sind und noch Zeit brauchen, muss ich sie in unserer personellen Situation bringen. Zumal ich weiß, dass sie ihr Bestes geben - und das war heute schon eine ganze Menge.“
Quelle: Siegener Zeitung
SG Betzdorf - Eintracht Trier 2. 2:2 (1:0)
BETZDORF SG 06 verpasst vierten Heimsieg in Folge durch Tor in der Nachspielzeit / Böhmer trifft zweimal
Der zwei Monate lang strikt eingehaltene Rhythmus, bei dem es nach einer Auswärtsniederlage immer einen Heimsieg gab, ist dahin.
hwl Ebenso ärgerlich wie überflüssig war am Samstag das erste Unentschieden der Saison auf eigenem Platz für den Fußball-Oberligisten SG Betzdorf. Verdient war es aber allemal, dass der Oberliga-Letzte Eintracht Trier 2. mit dem Tor zum 2:2 (1:0) in der Nachspielzeit "Auf dem Bühl" nicht leer ausging, nachdem der Torschütze Max Bachl-Staudinger, am Vorabend noch im Kader von Eintracht-Chef-Trainer Roland Seitz beim 4:0-Sieg der Trierer im Regionalliga-Spiel in Mönchengladbach, mit Doppelpass-Partner Christoph Anton die gesamte SG-Abwehr düpierte hatte.
Mehr als dieser späte Ausgleich ("Vom Spielverlauf her war er gerecht.") ärgerte SG-Trainer Walter Reitz, dass sein Team in den Minuten zuvor, als Triers Reserve mit Mann und Maus gegen die von der ersten bis zur letzten Minute nie sattelfest wirkende SG-Abwehrkette anrannte, nicht einen der zwei, drei vielversprechenden Überzahl-Konter zum K.o. genutzt hatte. Reitz: "Wir haben es versäumt, das 3:1 zu machen. Und wir haben es nicht geschafft, uns in den letzten Minuten aufs Zerstören zu beschränken."
Sich in der Kunst des Zerstörens zu üben, das hatte die oft überfordert wirkende Abwehrkette der SG schon die 90 Minuten über versäumt, weil sie den "jungen, schnellen und technisch versierten Eintracht-Spielern" (Reitz) viel zu viel Platz zur Entfaltung gelassen hatte. Die Trierer Offensiv-Kräfte Olivier Mvondo, Christoph Anton und Besart Aliu, von Bachl-Staudinger und später Erik Michels immer wieder angetrieben, waren zu keinem Zeitpunkt unter Kontrolle zu bekommen - weder von der SG-Kette noch von der Doppel-6 Houck/Blum.
Die Folge: Sven-Uwe Neuser erging es bei seiner Rückkehr ins SG-Tor ähnlich wie Philipp Klappert. Er kam sich mehr als einmal alleingelassen vor. Dass diesmal Neuser den Vorzug gegenüber Philipp Klappert erhalten hatte, war laut Reitz ("Ich kann mich mit dem Ruf als Schießbude der Liga einfach nicht abfinden.") einzig und allein der Hoffnung geschuldet, durch Neusers "Plus an Ruhe" mehr Stabilität in die Mannschaft zu bringen.
Das glückte allerdings noch nicht einmal in den Phasen, als Betzdorf in Führung lag und Marco Vorschneider als Alleinunterhalter in vorderer Linie besonders vermisst wurde, um die gegnerische Abwehr zu beschäftigen bzw. um den Gegner schon im Spielaufbau zu stören. Diese Rolle fiel am Samstag dem Betzdorfer Top-Torschützen Alexander Rosin zu, nachdem der Vorstand den Ex-Binger "nach einem Vorfall, der nichts mit dem Sport zu tun hat, für dieses Spiel freigestellt hatte" (Reitz). Mehr war zum Fall Vorschneider nicht erfahren, zu sehen war allerdings, dass sich weder Allrounder Rosin noch Youngster Hammel in dieser maßgeschneiderten Vorschneider-Rolle als Zerstörer besonders wohlfühlen. Reitz: "Die Mannschaft und ich als Trainer versuchen nach solchen Entscheidungen, das Beste daraus zu machen."
Dieses Vorhaben untermauerte am Samstag aus der Offensiv-Abteilung nur Philipp Böhmer. Zweimal zeigte er seine Klasse und Konsequenz im Abschluss. Beim 1:0 (20.) war es Daniel Hammel, der ihm nach einem Marcel-Horz-Einwurf und von Sebastian Land verlängerten Kopfball den Weg zum Flachschuss frei machte. Beim 2:1 (73.) kamen nach toller Vorarbeit von Sascha Mockenhaupt die Abwehrrecken Hess und Dingels einen Bruchteil einer Sekunde zu spät, um Böhmers Doppelpack zu verhindern. Reitz: "Ich hoffe, dass ihm das Auftrieb gibt."
Apropos Auftrieb: Dass die Antwort seiner Mannschaft auf die höchste Saisonniederlage in Köllerbach (0:4) gegen den Tabellenletzten Trier 2. ("Wenn eine Mannschaft mit solchen Spielern aufkreuzt, kann man nicht vom Letzten sprechen.") eher halbherzig ausfiel, hatte für Reitz auch einen durchaus reizvollen Aspekt. "Jetzt haben alle gesehen, dass wir auch zu Hause Punkte lassen. Damit müsste auch jedem klar sein, dass wir jetzt auswärts den Hebel endlich umlegen müssen." Will heißen: Ohne Auswärtspunkte - die nächsten gibt es am Sonntag beim Tabellenvorletzten Saarbrücken 2. - geht die SG im November schweren Zeiten entgegen.
Aufstellung Betzdorf: Neuser – Mockenhaupt, Land, Horz, Kempf - Houck (80. Boll), Blum - Hammel (73. Wagner), Böhmer (88. Lohmar), Alexander Baldus - Rosin. Tore: 1:0 Böhmer (21.), 1:1 Asma (51.), 2:1 Böhmer (73.), 2:2 Bachl-Staudinger (90.+2) Zuschauer: 231.
Wer zögert, den bestraft der Hammel
BETZDORF SG 06 geht mit Sieg über Roßbach in zweiwöchige Pause / Hammel und Vorschneider drehen das Spiel
Es geht auch ohne Spektakel - allerdings nicht ohne Gegentor.
hwl Der Fußball-Oberligist SG Betzdorf kann weiterhin darauf bauen und vertrauen, seine Punkte "Auf dem Bühl" zu holen. Obwohl das Team von Trainer Walter Reitz gegen Roßbach/Verscheid zum vierten Mal in Folge auf eigenem Platz in Rückstand geriet, langte es im zweiten Westerwald-Duell innerhalb einer Woche zu einem ebenso wichtigen wie mühsam erarbeiteten 2:1 (0:1)-Sieg. Es war der vierte SG-Sieg im fünften Heimspiel. Auf ein Spiel ohne Gegentor müssen die Fans allerdings bis nach der zweiwöchigen Pause warten.
In puncto Personal scheint das Warten und Zittern indes langsam ein Ende zu nehmen. Von den drei für einen Oberliga-Einsatz in Frage kommenden A-Junioren (Wäschenbach, Moosakhani, Cimen) saß am Samstag nur Enes Cimen auf der Bank, weil dort dank der Genesung von Sebastian Land ("Für 20, 30 Minuten müsste es schon heute reichen."), Alexander Baldus und Michael Boll von gähnender Leere keine Rede mehr ist.
Will heißen: Die Startelf vom Samstag wird es vorerst nicht mehr zu sehen geben, was besonders das Quartett in der Viererkette schmerzen dürfte. Denn am Samstag zogen sich die Fünf (mit Torwart Philipp Klappert) gegen den mit acht Toren erfolgreichsten Angreifer der Oberliga, Thomas Esch (gegen Marcel Horz), und einen der besten Vorbereiter, Patrick Kadiata (gegen Sascha Mockenhaupt), überraschend gut aus der Affäre.
Dass Sven Houck, der erneut mit Thomas Blum, die Doppel-6 besetzte, in der 30. Minute zu zupackend in ein Duell mit Esch einstieg, brachte die SG durch einen von Esch verwandelten Elfmeter zwar in Rückstand, aber nicht in die Bredouille. Der Grund: Wenige Minuten später trat Kadiata nach einem Foul von Mockenhaupt im Mittelfeld den Weg ins Krankenhaus an und hinterließ einen verunsicherten SV, der sich damit begnügte, die schmeichelhafte Führung über die Zeit zu bringen, während Mockenhaupt nun Platz und Muße zu Ausflügen nach vorn und zur Unterstützung des lange Zeit recht agilen Duos Hammel/Böhmer hatte.
Diese Rechnung des SV konnte indes nicht aufgehen, weil die Betzdorfer ihrem ehemaligen Torwart Sven Eckhardt in der intensiven und von Schiedsrichter Manuel Biesemann sehr kleinlich geleiteten Partie mit Standardsituationen immer mehr auf die Pelle rückten. Die Folge war: Innerhalb von fünf Minuten drehte die SG das Spiel durch zwei Kopfballtore aus dem Fünfmeterraum, bei denen Eckhardt zweimal das machte, was ein Torwart nie machen sollte: zögern. Beim 1:1 verlängerte Wagner einen Mockenhaupt-Einwurf aufs Haupt von Hammel (57.), der Eckhardt auf halbem Weg eiskalt erwischte. Beim 2:1 war es ein Horz-Kopfball nach einem Blum-Eckball, den weder der auf der Linie klebende Eckhardt noch drei SV-Spieler unter Kontrolle bekamen, so dass der energisch aus dem "Rückraum" heranfliegende Vorschneider den Ball einnicken durfte (62.).
Nicht abzusehen war, dass die Partie damit schon entschieden war. Denn im gleichen Maß, wie sich nun Platz für nicht konsequent abgeschlossene SG-Konter ergab, häuften sich in der Schlussphase auch (wieder) die SG-Fehler im Aufbauspiel. Doch mit dem Dreier auf dem Konto beschränkte sich selbst Trainer Reitz aufs Wesentliche und ließ - anders als während der 90 Minuten - Kritik außen vor: "Es geht auch zu Hause nicht immer spektakulär. Das war heute bei diesem Gegner nicht möglich. Deshalb mussten wir uns entscheiden, ob wir spektakulär oder erfolgreich spielen wollen. Was am Ende des sehr intensiven Spiels zählt, sind die drei Punkte, die wir unbedingt brauchten." Will heißen: Es war ein Arbeitssieg, der Betzdorf gut- und dem Gegner nicht wehtat. Denn, so SV-Trainer Achim Schmickler: "Grundsätzlich bin ich mit unserer Leistung zufrieden. Schmerzhafter als die drei Punkte, die wir hier lassen müssen, ist der Ausfall von Kadiata."
Aufstellung Betzdorf: Klappert – Mockenhaupt, Wagner (65. Land), Horz, Kempf - Houck, Blum - Hammel, Böhmer (88. Cimen), Rosin (70. Alexander Baldus) - Vorschneider. Tore: 0:1 Esch (30./Foulelfmeter), 1:1 Hammel (57.), 2:1 Vorschneider (62.) Zuschauer: 285.
Unterhaltung jenseits der Rei(t)z-Schwelle
BETZDORF SG 06 besiegt den Angstgegner Hauenstein / Überzahl tut selten gut
So sieht pure Unterhaltung aus: drei Platzverweise auf der einen, vier Gegentore auf der anderen Seite.
hwl Vor einem Jahr schickte sich die SG Betzdorf an, mit der besten Abwehr der Oberliga den Vormarsch auf Platz 1 anzugehen. Heute ist das Team von Walter Reitz von einem Zu-null-Spiel ähnlich weit entfernt wie von Platz 1, bot aber beim 5:4 (1:1)-Sieg über den Angstgegner SC Hauenstein zum zweiten Mal in Folge ein "denkwürdiges Heimspiel" (Reitz) mit einem hohen Unterhaltungswert. Großen Anteil daran hatten die Gäste, die der anfälligen SG-Abwehr das Leben sogar noch schwer machten, als sie nur noch sieben Feldspieler auf dem Rasen hatten.
Dabei begann die Partie für sie nach Maß. Wie nach dem Ausfall des erkrankten Sebastian Land und des verletzten Waldemar Schleich zu befürchten war, bekam die neue SG-Abwehrkette keine Zeit, sich auf den Gegner einzustellen, bevor der Traum vom ersten Zu-null-Spiel der Saison schon beendet war. Nicht einmal vier Minuten waren gespielt, als der überragende Mittelfeldspieler Marcel Höhn im Dunstkreis der Doppel-6 zu einem Solo ansetzte, das nach dem widerstandlosen Passieren der Innenverteidiger mit dem 1:0 endete. Fortan spielte der SC so, wie es Reitz prophezeit hatte: aggressiv, kombinationssicher und enorm schnell bei der Spieleröffnung über die zentrale Achse Steffen Litzel/Marcel Höhn. Bei dieser Dominanz schien selbst der Ausgleich, mustergültig vorbereitet vom Trio Hammel/Mockenhaupt/Vorschneider und abgeschlossen von Alexander Rosin (24.), die Gäste nicht weiter zu beunruhigen. Stutzig hätten sie allerdings werden müssen, als Eduard Hartmann, Daniel Schattner und Christian Stamer innerhalb von zehn Sekunden an Philipp Klappert (Fußabwehr), der Torlatte und an dem auf der Torlinie klärenden Rosin scheiterten (29.). Denn damit war eigentlich klar: Dieses Spiel hat das Zeug, durch Kleinigkeiten, Zufälle und Überraschungsmomente jenseits aller taktischen Vorgaben einen merk- oder gar denkwürdigen Verlauf zu nehmen.
Die Weichen dazu wurden kurz nach der Pause gestellt, als Schiedsrichter Thorsten Braun nach einem Foul an Hammel erstmals zum Elfmeter-Punkt schritt und Blum sich der großen Verantwortung stellte bzw. sicher verwandelte (47.). Das gab dem Kapitän spürbar Auftrieb, so dass es nicht verwunderte, dass er an den drei folgenden Toren innerhalb von zehn Minuten maßgeblich beteiligt war. Zum 3:1 traf Hammel nach einem Blum-Freistoß, beim 4:1 schloss Rosin eine Kombination über Blum, Böhmer und Mockenhaupt ab. Eine besonders kuriose Situation führte zum 5:1 (Elfmeter), als Rosin den Ball im Mann-gegen-Mann-Duell mit Torwart Jonas Jung nicht unter Kontrolle bekam, von diesem aber (trotzdem) gnadenlos von den Beinen geholt wurde. Damit schien die Entscheidung gefallen zu sein, zumal der nicht zu bremsende Philipp Böhmer sich anschickte, im Alleingang für viel Platz auf dem Platz zu sorgen. In der 69. Minute animierte er mit einem genialen Pass auf Marco Vorschneider Marc Socher zu einer "Notbremse". In der 80. Minute hatte er Eduard Hartmann so weit, dass dieser sich zu einer Unsportlichkeit gegen Böhmer hinreißen ließ. Vier Minuten später drohte die Partie zu eskalieren, als Böhmer und Patrick Brechtel mehrmals aneinandergerieten - bis bei Brechtel die letzte Sicherung durchbrannte (Gelb-Rot). Eine Minute später verließ auch der überragende Böhmer das Feld - auf Anordnung des Trainers. Reitz: "Ich musste ihn schützen."
Ein bisschen mehr Beschützerinstinkt hätte allerdings auch den SG-Akteuren - besonders in der Phase des Überzahlspiels - gutgetan. Denn bei allen drei Gegentoren in Hälfte zwei ließen sie Klappert völlig allein, so dass dieser beim 5:3 auch schon zu resignieren schien und auf der Linie klebte. Reitz nahm es gelassen hin: "Ich denke, dass bei der Mannschaft das Bedürfnis zu erkennen war, sich für den durchwachsenen Start zu rehabilitieren. Sie hat sehr viel für die Unterhaltung geboten - auch wenn vieles im Argen lag, besonders in der Defensive." Sollte die Form der Unterhaltung in Überzahl nicht anders aussehen, als noch drei Gegentore zu kassieren? Reitz: "Überzahl ist für meine Mannschaft kein Vorteil, weil es ihr dann schwerfällt, die Räume zuzumachen." Wohl dem, der auf einen Gegner trifft, der das erst in der Schlussphase merkt.
SG Betzdorf – SV Elversberg 5:1 (3:1)
Rosin bringt Reitz-Elf auf Kurs
BETZDORF SG 06 zeigt eine Stunde Fußball vom Feinsten und gewinnt deutlich. Beim zweiten Heimsieg der Saison stimmte schon vieles - vor allem die Spielweise und das Ergebnis.
So schnell kann es gehen. Nur eine Woche nach dem vermeintlichen Tiefpunkt mit dem Auftritt und der Heimniederlage gegen den FSV Salmrohr (1:3) hat sich der Fußball-Oberligist SG Betzdorf im Duell mit der Reserve des Regionalligisten SV Elversberg in jeder Beziehung rehabilitiert. 5:1 (3:1) hieß es nach 90 Minuten zum Abschluss der Englischen Woche "Auf dem Bühl", und Trainer Walter Reitz strahlte wie einst im Mai.
Dass dessen intensive Gespräche mit Vorstand und Spielern die erhoffte Wirkung zeigen würden, hatte sich bereits beim 1:1 in Völklingen abgezeichnet. Diesmal ging die Rechnung noch besser auf, weil die SG von der ersten Minute an hellwach war, Elversberg sofort unter Druck setzte und bei Torchancen von Alexander Rosin, der erneut den Vorzug als Spitze gegenüber Marco Vorschneider erhalten hatte, und Thomas Blum deutlich machte: Heute gibt es für euch hier nichts zu holen.
Aber: Zweifel kamen dennoch auf, als aus heiterem Himmel und aus abseitsverdächtiger Position bei einem gar nicht guten Stellungsspiel von Kevin Wagner und Torwart Philipp Klappert das 0:1 (25.) durch einen Kopfball von Marc Scherschel im Torraum fiel, nachdem es Sascha Mockenhaupt und Sebastian Land nicht geschafft hatten, Mefail Kadrija am Strafraum am Flanken zu hindern. Reitz: "Da hatten einige gepennt." Es blieb der einzige Aussetzer der Viererkette mit Folgen.
Denn es bewahrheitete sich, was Reitz schon im Vorfeld geahnt hatte: "Elversberg liegt uns. Sie haben eine spielstarke Mannschaft, die den Gegner auch spielen lässt, die Freiräume braucht, sie aber auch dem Gegner gönnt." Erster Nutznießer der SV-Freiräume war Alexander Rosin, der dem Ball nach einem tollen Pass von Daniel Hammel den entscheidenden Kick zum 1:1 verpasste (32.). Beim 2:1 (41.) war es noch einfacher für Rosin. Erneut bediente ihn Hammel vorm verwaisten Tor, nachdem der Ball - nach einem Fehlpass von Hammel - von Sven Houck an der Grundlinie zurückerobert worden war. Und weil Rosin und Hammel richtig gut harmonierten, klappte es sogar noch ein drittes Mal vor der Pause: Diesmal hob Rosin den Ball über die aufrückende Kette, diesmal vollstreckte der Youngster (45.). Wie gut das dem Selbstvertrauen tat, zeigte sich sofort nach der Pause. Nun griffen auch wieder die Automatismen, die Betzdorf zur besten Mannschaft der vergangenen Rückrunde gemacht hatten. Nach einem Freistoß setzte sich im Kopfball-Duell Sebastian Land durch, und aus dem Hintergrund - umringt von fünf SV-Spielern - jagte Marcel Horz, der erstmals den Part im linken Mittelfeld übernommen hatte und dort für viel Vortrieb sorgte, den Ball ins Netz (49.). Reitz: "Fußballerisch war es das Beste, was wir seit langem geboten haben. Auch wenn wir heute das Glück hatten, dass uns Elversberg hat gewähren lassen."
Nach einer Stunde schienen sich beide Trainer mit dem Ergebnis anfreunden zu können, nahmen die ersten Akteure und damit auch Tempo aus dem Spiel. Bei der SG war es Marco Vorschneider, den Reitz nach dessen Aussetzer gegen Salmrohr (Rote Karte) und dessen Zwangspause gegen Völklingen ins Spiel brachte, wohl ahnend, dass auch Vorschneider noch die Chance zur Rehabilitierung nutzen würde. Nachdem kurz zuvor Philipp Böhmer mit einem Handelfmeter an Tobias Rott gescheitert war, sorgte Vorschneider in der 85. Minute mit dem 5:1 denn auch fast wie erwartet für das denkwürdige Endergebnis. Denn in der aktuellen Oberliga-Ära (seit 2009) hat die SG auf eigenem Platz noch nie fünf Tore erzielt, nur einmal (8. Mai 2010) glückte das in der Fremde (6:1 in Auersmacher). Womit auch das Fazit von Reitz für diese Saison Premieren-Charakter hatte: "Ich bin mit dem Spiel und dem Ergebnis zufrieden."
Aufstellung Betzdorf: Klappert – Mockenhaupt, Land, Wagner, Kempf (72. Wäschenbach) - Blum, Houck - Hammel (67. Vorschneider), Böhmer, Horz - Rosin (82. Schleich). Tore: 0:1 Scherschel (25.), 1:1/2:1 Rosin (32./41.), 3:1 Hammel (45.+1), 4:1 Horz (49.), 5:1 Vorschneider (85.). Vorkommnis: Böhmer scheitert mit Handelfmeter an Rott (80.). Zuschauer: 295.
Quelle Siegener Zeitung; H.W Lenz
Druck wächst nach drucklosem Auftritt. BETZDORF Aufsteiger Salmrohr bestraft schwache Vorstellung des Oberligisten.
hwl An der 1:3 (0:1)-Niederlage gegen den Rheinlandliga-Meister FSV Salmrohr wird der Fußball-Oberligist SG Betzdorf noch länger zu knabbern haben. Zum ersten, weil die Mannschaft von SG-Trainer Walter Reitz erst aufwachte, als das Spiel bereits entschieden war. Zum zweiten, weil die SG selbst in ihrer besten Phase in der Defensive anfällig und in der Offensive ohne Durchschlagskraft war. Zum dritten, weil sich die angespannte Personalsituation durch eine Rote Karte gegen Marco Vorschneider unnötigerweise weiter verschärft hat.
Entsprechend ernüchternd fiel das Fazit von Trainer Reitz mit Blick auf die vergangene Trainingswoche und die Quote von nur drei Punkten aus vier Spielen aus: „Wir haben eine Woche lang an unserem Defensivverhalten gearbeitet - und nichts, rein gar nichts davon habe ich heute im Spiel gesehen.“ Wie labil das einstige Bollwerk geworden ist, offenbarte schon in der 7. Spielminute das gut harmonierende Duo in der Spitze der Mannschaft von Robert Jung. Matondo Makiadi spitzelte den Ball aus dem Gewühl heraus auf Ex-Profi Dino Toppmöller, der unbedrängt von den Abseits reklamierenden Betzdorfern den Ball über Philipp Klappert hinweg zum 1:0 hob. Reitz: „Das war ein Blackout, den man sich in der Oberliga nicht erlauben kann. Drei Leute hätten - Abseits hin oder her - das Tor verhindern können.“ Mit dieser frühen Führung im Rücken zeigte der Neuling seine Klasse im Verwalten, nahm das Tempo aus dem Spiel und kontrollierte das Geschehen.
Aber: Betzdorf machte es dem FSV auch ungemein einfach, passte sich dem Tempo an und zeigte im Spiel nach vorn nichts, was den 42-jährigen Oldie im FSV-Tor, Karl-Heinz Kieren, in die Bredouille brachte. Reitz: „Ich hatte nie das Gefühl, dass wir ein Tor machen wollten.“ Das galt über weite Strecken zwar auch für die Salmtaler, doch als sich in der 57. Minute Matthias Fischer zu einer Flanke aus dem Halbfeld animieren ließ, war Makiadi nicht nur hellwach, sondern auch völlig unbedrängt, um per Kopf aus kurzer Distanz für die Vorentscheidung zu sorgen. Reitz: „Ich verstehe das nicht. Der Ball war 40 m in der Luft, und keiner meiner Spieler ist da.“ Erst dieses 0:2 und etliche Umstellungen im Mittelfeld lösten die Bremse im SG-Spiel. Fortan forcierten die Betzdorfer, angetrieben von Thomas Blum, Sascha Mockenhaupt und Philipp Böhmer, das Tempo, erhöhten den Druck - mit bis zu fünf Offensiv-Kräften - und zeigten Präsenz am Gegner. Aber: Der Anschlusstreffer fiel zu spät, um noch entscheidend Kapital aus den sich nun häufenden Fehlern in der FSV-Abwehr zu ziehen. Im Nachhinein wäre es sogar besser gewesen, wenn das Tor zum 1:2 durch Marco Vorschneider (89.) nach einem gewonnenen Kopfball-Duell von Sascha Mockenhaupt gar nicht mehr gefallen wäre. Denn statt möglichst schnell den Ball zum Anstoßkreis zu bringen, machte der Torschütze einen Ausflug auf die Gegengerade, setzte dort seine Privat-Fehde mit einem Zuschauer mit Worten und Gesten fort und holte sich anschließend am Mittelkreis nur noch eine Rote Karte wegen seines unsportlichen Verhaltens bei Schiedsrichter Sören Müller („Er hat den Zuschauer beleidigt und provoziert.“) ab. Und weil der Tag damit eh verkorkst war, durfte mit dem letzten Angriff der Partie noch Alexander Adrian mit einem Konter in Richtung des verwaisten SG-Tores den Schlusspunkt zum 3:1 setzen und die für einen Aufsteiger „Auf dem Bühl“ ungewohnte Hymne „Spitzenreiter, Spitzenreiter ...“ anstimmen. Reitz entschied sich für eine andere Tonlage: „Mit dem Auftreten heute hat sich die Mannschaft selbst Druck verschafft.“
Aufstellung Betzdorf: Klappert – Schleich (65. Hammel), Mockenhaupt, Land, Horz - Blum, Wagner - Rosin, Böhmer, Kempf (46. Houck) - Vorschneider. Tore: 0:1 Toppmöller (7.), 0:2 Makiadi (57.), 1:2 Vorschneider (89.), 1:3 Heck (90.+1) Vorkommnis: Rote Karte gegen Vorschneider (Betzdorf) wegen grob unsportlichen Verhaltens (90.)
Zuschauer: 275.
Quelle Siegener Zeitung; H.W Lenz
Reitz-Elf bietet Paroli · Fußball-Oberliga Südwest:
Betzdorf verliert knapp beim FK Pirmasens
Zweimal holte der Fußball-Oberligist Betzdorf gestern in Pirmasens einen Rückstand auf. Das war einmal zu wenig, um beim 2:3 den erhofften Punkt mitzunehmen. Nach den beiden Hiobsbotschaften dieser Woche mit dem Ausfall von Torwart Philipp Klappert (erkrankt) und von Mittelfeld-Renner Alexander Baldus (dreifacher Bänderriss) war gestern für SG-Trainer Walter Reitz immerhin noch der Wunsch in Erfüllung gegangen, mit mehr als einem Ersatzspieler die Tagesfahrt zum Titelanwärter antreten zu können. Der Grund: Die drei angeschlagenen Akteure Kevin Wagner, Daniel Hammel und Fabian Lohmar meldeten sich kurzfristig zurück und trugen damit ihr Scherflein dazu bei, dass die personelle Misere der SG nicht schon im Spielberichtsbogen offensichtlich wurde.
Das mit zwei Siegen gestartete Team von Meister-Trainer Michael Dusek beeindruckte das zunächst wenig. Der FKP warf trotz des Ausfalls von Ex-Profi Thomas Riedl sofort seine spielerische Klasse in die Waagschale und versuchte mit spielerischen Mitteln das kompakte Abwehr-Bollwerk der SG mit einer gegenüber der Vorwoche unveränderten Vierer-Kette und neuer Doppel-6-Besetzung (Blum mit Houck statt Hammel) zu knacken. Das klappte allerdings nur punktuell nach Standards. So in der 13. Minute, als Weller nach einem Freistoß den Ball per Kopf auf Matthäus Gornik zurücklegte. Gornik, der schon in Saarbrücken trotz Nasenbeinbruch bis zum Ende durchgehalten hatte, war dank seines unhaltbaren Flachschusses somit der erste Oberliga-Akteur in dieser Saison, der Sven Neuser, der kurzfristig für Klappert eingesprungen musste, bezwingen konnte.
Aber: Betzdorf hielt dem Druck stand, zwang die FKP-Akteure früh in Zweikämpfe und hatte fortan auch erste Konterchancen. So wunderte es nicht, dass das Reitz-Team in bewährter Manier - über Philipp Böhmer und Marco Vorschneider - zum 1:1 kam (35.). Die Antwort des FKP folgte allerdings unerwartet schnell. Diesmal nach einem Eckball, als Torjäger Xavier Novic zur erneuten Führung traf (36.). Kurz vor der Pause meldete sich Betzdorf erneut zurück. Alexander Rosin, sonst überwiegend in der Defensive beschäftigt, nutzte den unerwarteten Freiraum an der Strafraumgrenze, um den Ball zum schmeichelhaften Pausenstand ins Netz (43.) zu schlenzen.
In der zweiten Hälfte war die Partie ausgeglichener. Der Titelanwärter Nummer eins fand kein Mittel gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Betzdorfer und schien im letzten Drittel sogar schon zu resignieren. Dennoch hatte das Dusek-Team die besseren Chancen. Die bis dahin beste, einen Elfmeter nach einem Foul an Neuzugang Christian Henn, ließ Goalgetter Xavier Novic in einem Anflug von Nervenflattern und Leichtsinn liegen. Er traf das Tor nicht.
Bei seiner nächsten zeigte er aber wieder seine wahre Klasse. Im Stile eines mitdenkenden und mitlaufenden Vollstreckers ließ er sich von Jan Brandscheid, der die Kette überlaufen hatte, von der Grundlinie aus maßgerecht bedienen und traf zum 3:2-Siegtreffer. Dass dies der Siegtreffer bleiben sollte, war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht abzusehen. Denn die Betzdorfer bemühten sich, ein drittes Mal auszugleichen. Die letzte Chance zu später Stunde hatte Rosin. Er scheiterte an Torwart Frank Steigelmann.
Oberliga Südwest
FK Pirmasens - SG Betzdorf 3:2 (2:2) Aufstellung Betzdorf: Neuser – Schleich (61. Wagner), Mockenhaupt, Land, Horz - Blum, Houck (72. Hammel) - Rosin, Böhmer, Kempf - Vorschneider. Tore: 1:0 Gornik (13.), 1:1 Vorschneider (35.), 2:1 Novic (36.), 2:2 Rosin (44.), 3:2 Novic (81.). Vorkommnis: Novic verschießt Foulelfmeter (71.) Zuschauer: 820.
Quelle Siegener Zeitung; H.W Lenz

